2017 - 90 Jahre TME - Ein Rückblick

Theater- und Musikverein „Eintracht“ e.V.
90 Jahre Theater, „Knebbelmusik“ und anderes mehr in Müden

Der 1. März 1927 gilt als Gründungsdatum des Theater- und Musikvereins „Eintracht Müden“. An diesem (Sonn-)Tag fand die erste Hauptversammlung (Generalversammlung) mit der Wahl des ersten Vorstandes statt.

Diesem ersten Vorstand gehörten folgende Personen an: Edmund Hammes‚ Vorsitzender; Johann Schmitt, Kassierer; Nikolaus Loch, Spielleiter Theater; Nikolaus Leberig‚ Musikleiter Spielmannszug sowie die beiden Beisitzer Paul Fett und Alois Leberig.

Die Satzung trägt folgenden behördlichen Vermerk: „Gesehen: Carden, den 7. März 1927. Die Polizeiverwaltung. Der Bürgermeister“

Hier noch einige interessante Auszüge aus der ersten Satzung:Der Zweck des Vereins ist, Jugendliche auszubilden in Theater und Musik sowie Geselligkeit und Frohsinn zu üben.Aufnahmeberechtigt sind alle über 16 Jahre alten männliche und weibliche Theater- und Musikfreunde (...). Mit der Aufnahme eines neuen Mitgliedes müssen 2/3 des bestehenden Vorstandes einverstanden sein.Das Eintrittsgeld beträgt für männliche Mitglieder 5 Mark (...)‚ für weibliche Mitglieder 1 Mark (...). Der vierteljährlich im Voraus zu entrichtende Beitrag beläuft sich für männliche Mitglieder auf 1 Mark, für weibliche Mitglieder auf 25 Pfennig.Die spielenden Mitglieder müssen zu den angesetzten Proben pünktlich erscheinen. Unentschuldigtes Fernbleiben kann vom Vorsitzenden mit einer angemessenen Geldstrafe bestraft werden.
Im Kassenbuch von 1927 weisen bereits verschiedene Eintragungen auf die Aktivitäten des Vereins hin, zum Beispiel am 27. März Einnahmen von einer Theateraufführung in Höhe von 82,20 Mark. Für den 6. November 1927 verzeichnet das Kassenbuch 80,50 Mark Einnahmen von einer Theateraufführung in Moselkern.

Den Einnahmen von 1927 standen am 27. März Ausgaben in Höhe von 15 Mark für den Friseur Ritter aus Karden gegenüber, der das Schminken der Theaterspieler übernommen hatte. Am 15. April 1927 verzeichnet das Kassenbuch 20 Mark für die Anschaffung eines neuen Leibriemens für eine Trommel mit Adler sowie eines Tambour-Majorstabs.

1938 wurde der Verein aufgelöst, da derselbe nicht der N.S.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ beigetreten war. Somit wurde die öffentliche Tätigkeit des Vereins nicht geduldet. Am 27. Juli 1947 wurde bei der französischen Militärregierung die Neugründung des Verein beantragt, die der Bürgermeister des Amtes Treis-Karden befürwortete und die Militärregierung genehmigte. Die Gründungsfeier mit Neuaufnahme und Tanz fand am 14. September 1947 im Gasthaus Sewenig statt.

Dem ersten Vorstand nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten an: Matthias Möntenich als Vorsitzender, Walter Schmitt als Kassierer, Spielleiter war Hans Alt und Peter Müller und Herbert Müller waren Erster beziehungsweise Zweiter Beisitzer. Zuerst wurde nur Theater gespielt. Bereits am 26., 27. und 28. Dezember 1947 fanden die ersten Aufführungen mit dem Stück „Hubert Bollmann“ statt.

Bis 1963 wurden regelmäßig Theaterstücke aufgeführt. Man wagte sich sogar an die Passion. An einem Theaterabend wurde erst ein Drama oder Trauerspiel in drei Akten dargeboten und dann ein Lustspiel in einem Akt. Am Zum krönenden Abschluss gab es noch eine Verlosung. Die Darstellungen fanden alle im Saale Sewenig „ltz“ statt. Kopf der Theatergruppe war Jakob Beiren. Er eröffnete jeden Spielabend mit dem noch heute sehr bekannten Satz: „Es gelangt zur Aufführung…“.

Bis 1963 wurde regelmäßig Theater gespielt. Doch mit der Einführung des Fernsehers verIor das Theaterspiel an Attraktivität und wurde schließlich ganz eingestellt. Bis 1989 sollte es dauern, bis sich wieder einige an diese alte Tradition erinnerten.

Am 3. Juni 1949 wurde bei der Militärregierung in Cochem angefragt, 0b gegen die Aufstellung eines Musikzuges Bedenken bestehen. Der Zug sollte aus etwa acht bis zehn Mann bestehen. Nachdem die Militärregierung die Gründung befürwortete, entwickelte sich ein reges Vereinsleben. 1954 Wurde bei einer Bonner Fahnenfabrik eine Vereinsfahne zum Preis von 600 DM erworben. Die Einweihung der Fahne erfolgte im Rahmen eines Tambourwettstreites am 16. Mai 1954. 1961 wurde sogar mit dem Gedanken gespielt, neben dem Spielmannszug einen Fanfarenzug aufzustellen, dieser kam aber nicht zustande. Um 1970 begann die große Zeit des Spielmannszuges. Wurde früher nur Marschmusik, die sogenannte Knebbelmusik, gespielt, so wagte man sich jetzt auch an Konzertstücke wie Ambos—Polka, Orpheus in der Unterwelt oder Wilhelm Tell. Neben Trommeln und Flöten gab es nun auch Alt- und Pikkolo-Flöten, um die mehrstimmigen Musikstücke darzubieten. Unter der musikalischen Leitung von Hans-Peter Hassler und unter der Stabführung von Joachim Vogt räumte man regelmäßig die Pokale bei den großen Tambourwettstreiten ab.

1972 hatte sich der Jugendspielmannszug von Müden als Landessieger für die Teilnahme am internationalen Wettstreit um den Deutschlandpokal für Spielmanns-, Fanfaren-, Hörner- und Musikzüge in Alsfeld qualifiziert. Am Wettstreit auf Bundesebene nahmen 53 Spielkorps teil. Der Spielmannszug des Theater- und Musikvereins „Eintracht“ e.V. Müden hat hier in der Schülerklasse der Spielmannszüge den zweiten Platz und somit den silbernen Deutschlandpokal 1972 errungen. Außerdem wurde ihm vom Wertungsgericht eine Goldmedaille zugesprochen.

in der folgenden Zeit richtete der Theater- und Musikverein „Eintracht“ e.V. Müden mehrere große Wettstreite aus. Zum 50-jährigen Jubiläum des Theater- und Musikvereins wurde sogar ein Künstlerabend mit bekannten Stars aus Funk und Fernsehen veranstaltet. Das 70- und 75-jähnge Jubiläum wurde in Verbindung mit dem Kreismusikfest gefeiert.

Die Zeit der großen Wettstreite war vorbei und das 80-jährige Bestehen des Vereins wurde erstmals nicht als eine große Veranstaltung durchgeführt, sondern mit mehreren kleinen Events wie Familienwanderung, Theateraufführung und Kreisjugendmusiktag.

Darüber hinaus ist der Spielmannszug das ganze Jahr über im Dorf aktiv. Keine Veranstaltung, sei es Kirmes, Martinsumzug, diverse Jubiläen ohne die musikalische Unterstützung durch den Spielmannszug.

1989 ging nach 25 Jahren Pause der Vorhang wieder auf. Unter der Leitung von Gabriele Langen wurde eine neue Theatergruppe gegründet. Diese gab sich den Namen „Ha-rimm“. Ha-rimm bedeutet in der Müdener Mundart ein Kommando des Kutschers oder Leiters an die Zugtiere eines Fuhrwerkes: Links (e)rimm = herum. Ha-rimm = scharf links herum. Im übertragenen Sinn bedeutet Ha-rimm: Wenn eine Handlung schief geht oder wenn eine feucht-fröhliche Runde ausufert. In einer anderen Version bedeutet Ha-rimm: Es ist noch einmal gut gegangen.

Das erste Stück, gespielt im Mai 1989, hieß „Blaues Blut und Erbsensuppe“. Die Mitwirkenden waren: Rolf Bertgen, Manfred Loosen, Beatrix Müller (heute Machwirth), Heidi Weckbecker (heute Beiren), Philipp Emmerich, Tanja Weckbecker (heute Müller), Verena Michels, Martina Kron (heute Kron-Wendel) und als Souffleuse Gabi Langen. 1991 erhielt die Theatergruppe für das Stück „Man kann alles übertreiben“ den Kulturpreis des Landkreises Cochem-Zell.

Nach dem frühen Tod von Gabriele Langen übernahm 1992 Verena Michels die Regie. Bis heute wird in Müden regelmäßig Theater gespielt. Meist an einem‘ Wochenende im November. Die Theaterstücke „Im Hörebst“, aufgeführt 1996, und „Summajohannsnocht 1946“, aufgeführt 2009, schrieb Verena Michels selbst. Diese beiden, in Miera Platt (Müdener Dialekt) gespielten, Stücke bildeten besondere Höhepunkte im Theaterreigen. Die Aufführungen haben einen festen Platz im kulturellen Dorfleben und darüber hinaus in der gesamten Region.

Bei der Generalversammlung am 16. Januar 2010 ging ein Urgestein von Bord. Franz Schäfer, der die Geschicke des Vereins von 1973 bis 2009 als Erster Vorsitzender gelenkt hatte, kandidierte nichtmehr. Er übergab seinen Posten an Manfred Sesterhenn. Franz Schäfer wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt. Ihm und seiner Frau Mechthild gebührt für ihre Verdienste um den Verein unser ganz besonderer Dank.

Das 90-jährige Jubiläum, das der Theater- und Musikverein „Eintracht“ e.V. Müden 2017 feiern kann, markiert einen neuen Höhepunkt im Vereinsleben. Wir hoffen, dass uns der Spielmannsnachwuchs erhalten bleibt, damit wir auch weiterhin das Dorfgeschehen musikalisch begleiten können.

Von Petra Ochotta für das Heimatjahrbuch 2017 Cochem-Zell


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